Friede Freude Eierkuchen!

Friede, Freude, Eierkuchen! 

Was Unternehmen von den Hippies lernen können.

 

Wissen Sie, was es bedeutet, „beseelt“ zu sein? Üblicherweise verwenden wir den Begriff, wenn wir beschreiben wollen, dass jemand voll und ganz aufgeht, in dem, was er tut. Jemand wirft vieles in die Waagschale, um eine besondere Herausforderung zu meistern. Er wirkt von einem starken inneren Anliegen angetrieben. Er glaubt an das, was er macht und schaut mit einem strahlenden Leuchten in die Welt. „Wie beseelt“ agiert eine Fußballmannschaft, die sich in einen Rausch gespielt hat und bei der auf einmal alles gelingt. Die Spieler verstehen sich blind und bilden plötzlich ein Kollektiv, deren Teile wie von einer unsichtbaren Hand gesteuert immer genau das Richtige tun. „Beseelt“ arbeitet eine Gruppe von Ingenieuren an der Neuerfindung des Autos (s. Tesla), „beseelt“ blicken Astronauten vom Weltall auf die blau schimmernde Weltkugel, „wie beseelt“ wirkt inzwischen irgendwie das ganze Silicon Valley, das sich selbst dazu passend die Aura und Wirkung einer zweiten Renaissance zuschreibt.

 

Zwar ist „Seele“ natürlich ein alter Begriff und Chirurgen gönnen sich gerne den Kalauer, dass sie bei ihrem Durchforsten von Körpern und Organen noch niemals auf eine Seele gestoßen sind, dennoch scheint doch gerade bei Tätigkeiten, Gruppen und Unternehmen etwas ganz Besonderes adressiert zu sein, wenn man davon spricht, sie hätten eine Seele. Immerhin hat Howard Schultz den grandiosen Erfolg seines Turn-around-Prozesses bei Starbuck’s vor einigen Jahren mit den Worten kommentiert, dass das Allerwichtigste für die Zurückeroberung des Weltmarktes gewesen wäre, dem Unternehmen seine Seele zurückzugeben. „Seele“ scheint etwas zu sein, das alle Mitarbeiter verbindet, das aus den vielen deutlich mehr macht als die Summe ihrer Qualitäten, das allen Mitmachenden das Gefühl gibt, Teil von etwas Großem zu sein, Teil von etwas, mit dem man sich massiv identifizieren kann. Meine These ist, dass die Seele eines Unternehmens in seinem gemeinsamen Geist besteht, im Corporate Spirit, in der starken Überzeugung, hinter der sich alle versammeln – und ja: einer starken Überzeugung, der sich alle Mitarbeitenden unterordnen und der sie zusammen auf ihre je eigene Weise dienen.

 

Denken Sie nur einmal an die Bewegung der Hippies mit ihrem „Flower Power“-Spirit, der tatsächlich Millionen Menschen beseelt hat mit der Idee einer Abkehr von der spießigen und kriegstreibenden Vorgängergeneration. Die Wirkungen dieser Bewegung reichen tief in unsere heutige Zeit, denn alles, was damals veranstaltet wurde, war grundlegend eingetaucht in den wirkmächtigen gemeinsamen Hippie-Geist. Hierdurch herrschte größter Gemeinsinn, höchste Kreativität und maximaler Weltveränderungswille. Der Grund ist einfach: Der gemeinsame Geist von Bewegungen beflügelt und begeistert ihre Mitmacher auf eine unvergleichliche Weise. Er ersetzt die Notwendigkeit des äußeren Drucks und Zwangs, der durchgreifenden Disziplinierung klassischer Zweckgemeinschaften durch Freiwilligkeit, durch Eigeninitiative und persönliche Verantwortung für das Ganze. Die Hippies brauchten keine zentrale Planung ihrer Vorgehensweise und keine generalstabmäßige Verteilung der Ressourcen, um erfolgreich zu wirken. Sie wurden angetrieben von der Idee einer friedlicheren, freieren und bunteren Gesellschaft, gebündelt und verdichtet in dieser einen Formel des „Flower Power“: dem Idealismus der Blumenkinder.

 

Dominic Veken